![]() |
Kurz nach der politischen Wende verkündete der damalige Riesaer Oberbürgermeister Dr. Horst Barth das Ziel, dass es in absehbarer Zeit in Riesa keine rauchenden Schornsteine mehr geben solle. Seine Vision hat sich im Wesentlichen erfüllt. Die Stadtwerke Riesa trugen maßgeblich dazu bei. Heute sind effiziente und sichere technische Anlagen, eine umweltschonende Strom- und Wärmeerzeugung, die verlustarme Energieverteilung sowie verantwortungsbewusste und kompetente Fachkräfte die tragenden Säulen unseres Umweltschutzes.
Die 1965 und 1967 errichteten Heizhäuser im Stadtteil Weida sind heute Symbol für eine unvergessene „schwarze” Vergangenheit der Wärmeversorgung in Riesa. Ursprünglich als Übergangslösung für ein letztendlich nie gebautes zentrales Heizwerk geplant, wurden die Anlagen nur mit einem Minimum an notwendiger Technik ausgestattet. Am Anfang war das Heizwerk-Provisorium noch mit einer Entstaubungsanlage ausgerüstet. Doch als diese eines Tages ihren Dienst versagte, wurde sie wegen des hohen Kostenaufwandes nicht wieder instandgesetzt.
Die Folgen waren fatal: 25 Jahre lang bliesen die Schornsteine unzählige Tonnen Asche über das Umland. Zusätzlich lagerten in unmittelbare Nähe zum Wohngebiet Weida bis zu 50 000 Tonnen Rohbraunkohle unter freiem Himmel. Der Kohlestaub verschmutzte Fensterbretter, Autos, Balkone und die Wäscheplätze in der Umgebung. Im Winter verwandelte sich der Kohle- in einen schwarzen Eisberg, den die Arbeiter nur mit hohem technischen Aufwand und enormen körperlichen Anstrengungen aufbereiten konnten.
Die unzumutbare Dreckbelastung war für die betroffenen Anwohner immer wieder berechtigter Anlass zu Beschwerden und Kritik. Jedoch gab es im Ergebnis seitens der Betreiber und der staatlichen Dienststellen nichts als Vertröstungen. Heute sind all diese Ereignisse mit gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehbar.
Nur geringfügig umwelt- und gesundheits-„freundlicher” erfolgte die Wärmeversorgung in den anderen Stadtgebieten Riesas. Für die Beheizung der Stadtmitte zeichneten ab 1971 das Heizwerk des Kraftfuttermischwerkes (Ölfeuerung) und die Abwärmedampferzeuger der Siemens-Martin-Öfen des Stahlwerkes verantwortlich. In Merzdorf wurde 1954 ein Heizwerk für die Versorgung des Reifenwerkes errichtet. Wie in Weida diente Rohbraunkohle als Brennstoff. Als Abnehmer kamen später Wohnungen und weitere Betriebe wie das Seifen-, das Teigwaren- und das Zündwarenwerk hinzu. In Riesa-Pausitz wurde 1973 das Heizwerk Robotron in Betrieb genommen. Auf der Basis von schwerem Heizöl versorgte die Anlage vorrangig Industriebetriebe. Steigende Ölpreise im Zeitraum von 1980 bis 1984 zwangen die Betreiber, das Heizöl durch einheimische Brennstoffe abzulösen. Brikettabrieb kam zum Einsatz. Die damals zulässigen Rauchgas-Emissionswerte wurden mit Hilfe einer Elektrofilteranlage eingehalten.
Mit der Gründung der Stadtwerke Riesa GmbH legte der Riesaer Stadtrat 1991 den Grundstein für nachhaltigen Umweltschutz in Riesa. Nach und nach wurden die Fernwärmeerzeugungsanlagen auf Erdas umgerüstet oder komplett neu errichtet. Es begann mit dem Bau der Gashochdruckleitung von der Gasübernahmestation Canitz zum Standort Weida, der 1991 die Inbetriebnahme des ersten erdgasbetriebenen Heizkraftwerkes in Riesa ermöglichte. Die eingesetzte Technologie hatte damals innovativen Wert. Die Stadtwerke Riesa und die Projektplaner wurden dafür mit dem „Preis der deutschen Gaswirtschaft für rationellen Erdgaseinsatz 1992” ausgezeichnet.
1993 übernahmen wir von der Gasversorgung Sachsen Ost GmbH die Gasversorgung für die Stadt Riesa. Damit eröffnete sich uns die Möglichkeit, flächendeckend giftiges Stadtgas sowie Kohlebrand durch umweltfreundliche Erdgasheizungen zu ersetzen. Im Stadtzentrum eröffneten wir 1993 ein Energieberatungszentrum, in dem wir unsere Kunden über den neuen Energieträger informierten. Im Zeitraum vom 6. Dezember 1993 bis 24. April 1994 wurden schließlich 14 000 Haushalte von Stadt- auf Erdgas umgestellt. Noch im gleichen Jahr nahmen das Heizkraftwerk Pausitz und das Heizwerk August-Bebel-Straße ihren Betrieb auf.
1995 folgte ein weiterer Meilenstein: Die damals vom Stadtrat verabschiedete Fernwärmeversorgungssatzung beinhaltet einen Fernwärmeanschlusszwang für bestimmte Stadtgebiete. Dieser verschafft uns beim Ausbau der Fernwärmeversorgung bis heute langfristige Planungssicherheit. Im Oktober 1995 nahm das neue Heizkraftwerk Merzdorf nach nur elf Monaten Bauzeit den Betrieb auf. Die Gasturbine entsprach zum damaligen Zeitpunkt dem neuesten Stand der Technik. Eine vergleichbare Anlage gab es deutschlandweit nur in Neuss und München. 1996 ging das komplett sanierte Heizwerk Elbufer mit einer thermischen Anschlussleistung von 17,9 Megawatt ans Fernwärmenetz.
Da nicht überall in Riesa aus technischen und wirtschaftlichen Gründen der Anschluss an die Fernwärmeversorgung möglich war, wurde die Idee geboren, das vorhandene Gasnetz zu nutzen und den Hausbesitzern eine dezentrale Wärmeversorgung anzubieten. 1996 begann der Fachbereich Fernwärme die ersten 16 Nahwärmeanlagen in Containerform aufzustellen. Im Laufe der Jahre überstieg die Anzahl der zu betreibenden Anlagen die Kapazitäten des Fernwärmebereichs. Folgerichtig gründeten wir am 1. Januar 1999 die Sparte Nahwärme. Ein musterhaftes Beispiel für eine großflächige Nahwärmeerschließung in Riesa ist das Wohngebiet in der Pausitzer Delle. Der Rundum-Service von der Planung und Finanzierung, über die Wartung und Instandhaltung bis hin zur Energieberatung sprach sich schnell herum und lockte zahlreiche Interessenten aus der Region. Um Nahwärme auch außerhalb der Stadtgrenzen anbieten zu können, gründeten die Stadtwerke Anfang 2003 die Energieservice und Arealmanagement GmbH. Heute zählt die ESAM knapp 4.000 Kunden in Sachsen und sogar in Sachsen-Anhalt.