Ein viertel Jahrhundert Verbundenheit

Die Stadtwerke Riesa feierten im Jahr 2016 ihr 25-jähriges Bestehen.

25 Jahre Stadtwerke Riesa

Am 1. Januar 1991 gegründet blickten die Stadtwerke Riesa im Jahr 2016 auf 25 Jahre Leidenschaft für Energie, Herzblut für Riesa und Engagement für Kunden zurück.

Filme

Anlässlich unseres 25-jährigen Jubiläums haben wir mehrere Filme über unsere Unternehmensgeschichte gedreht. Im Mittelpunkt stehen dabei Zeitzeugen, Wegbegleiter und Kunden unseres Unternehmens.

Düstere Zeiten: Riesaer erinnern sich
Weitsichtige Stadträte: So wurden die Stadtwerke Riesa gegründet
Aufbruch in eine neue Zeit: Die ersten Jahre der Stadtwerke Riesa
Wertvoll für Riesa: Diese Frau brachte einer ganzen Stadt das Schwimmen bei
Ein Boxtrainer, ein Boxring und ein Volltreffer für Riesa

Chronik

Wie alles begann

Der erste demokratisch gewählte Riesaer Stadtrat befasste sich bereits im August 1990 intensiv mit der Bildung von Stadtwerken. Am 12. September 1990 beauftragten die Stadtverordneten mit 38 Ja-Stimmen und zwei Stimmenthaltungen die Verwaltung, die Gründung des Betriebes „Stadtwerke Riesa“ zum 1. Januar 1991 vorzubereiten. Die preisgünstige Versorgung der Bürger mit Strom, Gas, Fernwärme und Wasser durch ein städtisches Unternehmen, auf welches man über die kommunalpolitischen Organe Einfluss nehmen kann, auch im Sinne der kommunalpolitischen Ziele, war einer der Hauptgründe für diese Entscheidung.

Zum damaligen Zeitpunkt war absehbar, dass die meisten großen Riesaer Betriebe nach der Wende vor wirtschaftlichen Problemen standen und damit die Wärmeversorgung nicht mehr wie bisher absichern konnten. Da der Winter praktisch vor der Tür stand, musste schnell gehandelt werden.

Der erste Schritt bei der Gründung der Stadtwerke Riesa sollte deshalb mit der Zusammenführung der Wärmeversorgungsbereiche der Betriebe Gebäudewirtschaft, Robotron Elektronik, Getreideverarbeitung und Stahlwerke AG gegangen werden. Dazu berieten bereits im August 1990 kompetente Vertreter dieser Betriebe. Alle gaben ihre Zustimmung. Durch das Heizhaus Weida wurden 3.901 Wohnungen, durch das Heizhaus Stadtmitte 1.716 Wohnungen, durch das Heizhaus Merzdorf 965 Wohnungen und durch das Heizhaus Pausitz 576 Wohnungen mit Wärme versorgt. Weitere Abnehmer der vier Heizhäuser waren Schulen, Kindereinrichtungen, Betriebe, Kaufhallen usw.

Die Funktion des Geschäftsführers der Stadtwerke Riesa GmbH übernahm zum 1. Januar 1991 Peter Käseberg. Er war Diplom-Ingenieur für Automatisierungstechnik und hatte sich als Leiter des Heizhauses im Reifenwerk Riesa umfangreiche Kenntnisse und Fähigkeiten erworben, so dass die Stadtverordneten überzeugt waren, dass er sein Wissen und sein Können in die Gesellschaft einbringen würde.

Die beiden Heizhäuser in Riesa-Weida waren 1956 und 1967 als Provisorien konzipiert, die durch ein großes Heizwerk ersetzt werden sollten. Dazu kam es nicht. Allerdings gab es auf Anregung des Stahl- und Walzwerkes Riesa in den 80er Jahren wieder ernsthafte Pläne, ein „Zentrales Heizwerk“ zu errichten – so groß, dass es die Wärmeversorgung der Industriebetriebe und des Territoriums der Stadt Riesa hätte übernehmen können. Als Energieträger war wieder Rohbraunkohle vorgesehen.

Die bereits weit gediehenen Pläne wurden dahingehend eingeschrumpft, dass der Rat des Kreises und der Rat der Stadt den VEB Gebäudewirtschaft mit dem Bau eines Heizwerkes für eine weitere in Weida geplante Wohnsiedlung – Weida-Süd – beauftragten. Die Wende änderte alles. Obwohl zunächst am Neubau eines Heizwerkes festgehalten wurde, kam es zu Überlegungen, statt eines Neubaus „auf der grünen Wiese“ eines der vorhandenen Kesselhäuser umzurüsten. Das war ein Gedanke, der wenige Monate zuvor noch völlig utopisch war.

Am 25. März 1991 begann der Umbau des Kesselhauses 1 am Alten Pfarrweg. Die technische Ausrüstung wurde demontiert und modernste Technik eingebaut. Als Energieträger kam Erdgas zum Einsatz. Ab 15. Oktober 1991, mit Beginn der neuen Heizperiode, wurde das gesamte Wohngebiet Weida über die neue Anlage mit Wärme versorgt.

Der Stromvertrag und seine Folgen

Mit dem Ende der DDR galt es, eine materiell verschlissene, bürokratisch organisierte, ineffiziente und in hohem Maße umweltbelastende Energiewirtschaft zu sanieren. Die Energieversorgung hatte in der Hand zentralgeleiteter Kombinate gelegen. Die Regierung der Noch-DDR verfügte nicht über die Mittel, um die Energiewirtschaft auf modernen Stand umzubauen. Verhandlungen mit den drei großen bundesdeutschen Energieversorgern Bayernwerk AG (BAG), PreussenElektra AG und RWE Energie AG führten am 22. August 1990 zur Unterzeichnung des sogenannten Stromvertrages, in dem die drei Unternehmen zusicherten, die DDR zuverlässig und preisgünstig mit Elektrizität zu versorgen, den ökologischen Anforderungen gerecht zu werden und die herausragende Rolle der Braunkohle zu erhalten. In jedem der 15 regionalen Stromversorgungsunternehmen hätten westdeutsche Konzerne die Kapitalmehrheit erhalten. Als Begründung galt das Argument, dass diese Unternehmen die Kosten für die Sanierung der Stromwirtschaft tragen würden.

Doch die Städte und Gemeinden der neuen Länder begehrten gegen diesen Vertrag auf. Im Kommunalverfassungsgesetz vom 17. Mai 1990 war festgelegt, dass es Aufgabe der Gemeinden sei, ihre Bürger mit Leitungsenergien zu versorgen und dass sie dafür Unternehmen gründen können. Das war die Wiedergeburtsstunde für Stadtwerke in den neuen Bundesländern, denn durch das zwei Monate später verabschiedete und vom Einigungsvertrag übernommene Kommunalvermögensgesetz wurde auch das Eigentum an den örtlichen Energieanlagen rückübertragen. Allerdings schränkte eine Regelung im Einigungsvertrag die kommunalen Besitzansprüche auf dem Gebiet der Elektrizitätsversorgung weitgehend ein. Die Gemeinden sollten nur noch einen Anteil von höchstens 49 Prozent an den regionalen Strom- und Gasversorgungsgesellschaften erlangen, womit die Mehrheit für die westdeutschen Unternehmen gesichert wurde.

Mit einer Beschwerde gegen diese Regelung des Einigungsvertrages wollten 164 Kommunen – darunter auch Riesa – vom Bundesverfassungsgericht prüfen lassen, ob sie sich dem fügen müssten oder Anspruch auf die Herausgabe der Stromerzeugungsanlagen und Verteilernetze haben.

Am 22. Dezember 1992 kam es zu einer Vereinbarung, in der unterstrichen wurde, dass auch in den neuen Ländern leistungsfähige und wettbewerbsfähige Stadtwerke entstehen sollten. Im ehemaligen Bezirk Dresden wurde 1991 aus dem VEB Energiekombinat Dresden die Energieversorgung Sachsen Ost AG (ESAG).

Zur Untermauerung ihrer Forderungen mussten die Kommunen die frühere Existenz eines städtischen Elektrizitätswerkes beweisen und entsprechend § 5 des Energiewirtschaftsgesetzes von 1935 nachweisen, dass die neuen Stadtwerke die Stromversorgung fachlich sowie sicher und preisgünstig gewährleisten können. Man hatte offenbar Zweifel an der fachlichen Qualifikation der Energieexperten aus der DDR. Da half nur ein formaler Trick: Man musste sich einen kompetenten Partner aus den Altbundesländern suchen. Für Riesa lag der Kontakt zur Partnerstadt Mannheim nahe. Mit der Mannheimer Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (MVV) wurde im Frühjahr 1993 ein Betriebsführungsvertrag abgeschlossen. Am 1. Juli 1994 übernahmen die Stadtwerke Riesa mit Unterstützung durch die MVV die Betriebsführung für die Stromversorgung der Stadt Riesa, die bis dahin noch in den Händen der ESAG gelegen hatte. Der Vertrag mit der MVV wurde dann zum Jahresende 1994 beendet, weil beide Seiten der Überzeugung waren, ihre Ziele im vollen Umfang erreicht zu haben.

Fernwärmeversorgung

Bei Gründung der Stadtwerke am 1. Januar 1991 wurden etwa 44 Prozent aller Wohnungen in Riesa mit Fernwärme beheizt. Die Grundlast lieferte das Stahl- und Walzwerk mit Abwärme aus den Siemens-Martin-Öfen. Auch Heizwerke anderer Industriebetriebe – Reifenwerk, Robotron, Mischfutterwerk – speisten je nach Bedarf und Möglichkeit Fernwärme ins Netz ein. Doch mit der Stilllegung des Stahlwerkes war der zentralen Fernwärmeversorgung die Basis entzogen. Es mussten neue Lösungen gesucht und gefunden werden.

Mit Bescheid der Treuhandanstalt vom 17. Januar 1992 und vom 27. Februar 1992 wurden Heizhäuser und Heizkraftwerke sowie deren Umformerstationen und Netze des Reifenwerkes, des ehemaligen Robotron-Betriebes (heute BuS) und das Heizhaus Riesa-Weida in das Eigentum der Stadt Riesa übertragen. Diese wiederum übertrug nach einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 27. Mai 1992 diese Heizhäuser bzw. Heizkraftwerke aus ihrem Eigentum in das Eigentum der Stadtwerke als 100-prozentige Stadt-„Tochter“. Diese Heizwerke entsprachen zwar gerade dem technischen Mindeststandard und konnten nur mit großem Personalaufwand betrieben werden – doch die Stadtwerke hatten damit eine erste wirtschaftliche Grundlage.

Konsequent begannen sie mit der Modernisierung der Heizwerke und investierten für diesen Zweck von 1991 bis 2004 rund 32,5 Mio. Euro. Begonnen wurde 1991 mit dem Umbau der Heizhäuser I und II in Riesa-Weida. 1994 folgte Riesa-Pausitz, 1995 der Neubau des Heizkraftwerkes Merzdorf. Bei der Modernisierung und Sanierung von Anlagen und Netzen hatten die Stadtwerke natürlich immer auch den Markt im Blick. Potenzielle Kunden, die sich zu dieser Zeit für Heizöl entschieden hätten, wären auf lange Sicht verloren gewesen. Also handelte man flexibel und installierte – wo ein direkter Fernwärmeanschluss nicht möglich war – mobile Heizzentralen, wie z. B. in der früheren Stadtgärtnerei an der Poppitzer Landstraße. Als Service für die Kommune modernisierten die Stadtwerke auf eigene Rechnung ca. 20 Heizungsanlagen in Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen.

Der Fernwärmeabsatz ging wegen der Rückentwicklung des Industriestandortes Riesa und der auch damit verbundenen Bevölkerungsfluktuation zurück. Eine weitere entscheidende Ursache ist die Verbesserung der Wärmeisolierung der Wohngebäude. Wurden 1992 noch ca. 250 GWh verkauft, so waren es im Jahr 2000 nur noch ca. 130 GWh.

Nach dem Jahr 2000 war eine Stabilisierung des Wärmeabsatzes zu verzeichnen, welcher sich bei rund 120 bis 129 GWh gefestigt hat. Auch heute müssen aufgrund der Bevölkerungsentwicklung noch Anschlüsse rückgebaut werden. Angesichts sehr guter Primärenergiefaktoren der Wärmeinseln im Stadtgebiet, entscheiden sich auch heute Unternehmen und Privatpersonen für die Fernwärme, um umweltfreundlich zu heizen und Baukosten für Wärmedämmung zu sparen. Mit dem 2013 durch den Sächsischen Umweltpreis prämierten Dampfprojekt, beschritten Feralpi Stahl und Stadtwerke neue Wege. Diese Kooperation ist nicht nur aus produktionstechnischer Sicht, sondern auch in Bezug auf die umweltschonende Wirkung einzigartig. Sie vereint zwei hocheffiziente und umweltschonende Energieprozesse – die Abwärmenutzung auf Seiten des Stahlwerkes sowie die Kraft-Wärme-Kopplung auf Seiten der Stadtwerke.

Kampagnenmotive