Woher kommt eigentlich unser Strom?

06.09.2007

Die Stadtwerke Riesa haben in den Ausgaben Nr. 8 (04.05.07) und Nr. 11 (29.06.07) der RIO-Regionalnachrichten die staatlichen Steuern und Abgaben sowie die Netznutzungsentgelte als Bestandteile des Strompreises erläutert. In dieser Ausgabe geht es um die Stromerzeugung und -beschaffung, die zusammen zirka 30 Prozent des SWR-Strompreises ausmachen.

Eigene Stromerzeugung

Die Stadtwerke Riesa erzeugen jedes Jahr im Schnitt 30 Prozent ihres Strombedarfs in den Heizkraftwerken (HKW) Merzdorf, Weida und Pausitz. Durch effiziente Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) entsteht nicht nur Strom, sondern auch Fernwärme. KWK ist damit die effizienteste Methode zur energetischen Nutzung von Brennstoffen. Der Brennstoffausnutzungsgrad beträgt in unseren Heizkraftwerken jedes Jahr fast 90 Prozent und ist damit doppelt so hoch wie in konventionellen Kraftwerken. Der Wirkungsgrad von unseren Wärmekraftwerken, also die Nutzung der eingesetzten Energie zur Stromerzeugung, liegt bei rund 40 Prozent.

 

Strombeschaffung bei Dritten

Den restlichen Strombedarf (zirka 70 Prozent) beziehen die Stadtwerke Riesa im Rahmen einer mittel- bis langfristigen Beschaffungsstrategie am Großhandelsmarkt für Strom. Der allgemeine Beschaffungspreis bildet sich auf den Rohstoffweltmärkten sowie an den Strombörsen auf der Grundlage von Angebot und Nachfrage. Aber auch andere Faktoren beeinflussen den Marktpreis für Strom. Im Wesentlichen sind das die deutschlandweiten Stromerzeugungskosten, das Wetter und der Emissionshandel.

 

Einflussfaktor Börse: Die deutsche Strombörse in Leipzig ist eigenen Angaben zufolge mit derzeit 175 Börsenteilnehmern aus über 20 Ländern die größte in Europa. Die erzielten Preise sind wie für alle Versorger auch für die Stadtwerke Riesa die Richtgrößen für den Stromeinkauf.

 

Einflussfaktor Wetter: Die Jahreszeit hat einen Einfluss auf die Nachfrage und auch die Produktion von Strom. Zum Beispiel führt ein kalter Winter zu einem verstärkten Betrieb von Heizungen und einem erhöhten Lichtbedarf. Mehr Strom wird demnach verbraucht Ein heißer Winter wiederum kann zu einem massenhaften Betrieb von Klimaanlagen führen. Auch eine Dürrezeit mit Wassermangel kann die großen Kraftwerke in Deutschland bei der Stromproduktion vor große Probleme stellen, da sie ständig Kühlwasser benötigen.

 

Einflussfaktor Erzeugung: Die Erzeugungskosten spielen eine wichtige Rolle bei der Preisbildung an den europäischen Strombörsen. Kraftwerke haben unterschiedlich hohe Erzeugungskosten in Abhängigkeit des verwendeten Energieträgers (Braun- oder Steinkohle, Gas, Kernkraft oder Wasser).

 

Einflussfaktor Emissionshandel: Durch die europaweite Einführung des Handels mit Kohlendioxid-Emissionszertifikaten ((CO2) durch die EU-Kommission im Jahr 2005 wird die Minderung der Kohlendioxidemissionen über Märkte gesteuert. Energie- und große Industrieunternehmen müssen für jede ausgestoßene Tonne CO2 ein Zertifikat nachweisen. Die EU-Mitgliedsstaaten teilten in einem ersten Schritt ihren Industrieunternehmen für den Zeitraum von 2005 bis 2007 eine bestimmte Menge an Emissionszertifikaten zu. Der Emissionshandel beeinflusst die Beschaffungskosten spürbar, denn der Wert der Zertifikate fließt direkt in den Strompreis ein. So hat bereits die Einführung des CO2-Handels die Preise an der deutschen Strombörse merklich erhöht.

 

Zusammenfassung

Unter dem Strich ergeben die folgenden Faktoren den aktuellen Markt- und Börsenpreis für das Produkt Strom, auch Großhandelspreis genannt: Erzeugungskosten, klimatische Bedingungen, die Preise für Kohlendioxid-Zertifikate sowie die Angebots- und Nachfrage-Situation in Europa. Auf diese Faktoren haben die Stadtwerke Riesa überwiegend keinen Einfluss. Lediglich bei der eigenen Stromerzeugung hat die SWR Einfluss, wenn auch nur begrenzt, da hier die Beschaffungskosten für Erdgas eine entscheidende Rolle spielen.